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  • Grundriss einer offenen Lernlandschaft, Lernhaus im Campus, Osterholz-Scharmbeck
  • Offene Lernlandschaft für 3 Klassen, individuelle und personalisierte Arbeitsplätze für alle Lernenden, Lernhaus im Campus, Osterholz-Scharmbeck
  • Lehrerplatz in der Lernlandschaft, im Hintergrund Blick auf den Differenzierungsraum, Lernhaus im Campus, Osterholz-Scharmbeck
  • Individuelle, feste und personalisierte Arbeitsplätze für alle Lernenden (aus drei Klassen) in einer Lernlandschaft, Lernhaus im Campus, Osterholz-Scharmbeck
  • Mobile Endgeräte in einer Lernlandschaft, Lernende arbeiten davor knieend, Albrecht-Ernst-Gymnasium, Öttingen (Bayern)
  • Marktplatz und daneben liegender Instruktionsraum (von insgesamt 4 im Cluster), freie Wahl der Arbeitsfläche, bei jüngeren SchülerInnen häufig im Liegen auf dem Teppichboden, Albrecht-Ernst-Gymnasium, Öttingen, (Bayern)
  • Marktplatz in der Lernlandschaft, Lösen von Mathematikaufgaben, bevorzugte Haltung bei Jüngeren: Im Liegen, Albrecht-Ersmnt-Gymnasium, Öttingen (Bayern)
  • Marktplatz in der Lernlandschaft, Freiarbeit, Arbeiten im Liegen oder auf dem Boden sitzend, Albrecht-Ersmnt-Gymnasium, Öttingen (Bayern)
  • Offene Lernzone für mehrere Klassen, mobile Endgeräte im Einsatz (z.T. BYOD), Dänische Schule, Schleswig
  • Lernlandschaft mit verschiedenen räumlichen Angeboten, im Hintergrund Instruktionsraum, Ijburg College, Amsterdam
  • Lernlandschaft - Blick auf 2 Instruktionsräme, ohne Türen zum Marktplatz, BS 24, Hamburg
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Offene Lernlandschaften – die Zukunft des Lernens?

In skandinavischen Ländern sowie in den Niederlanden gibt es schon seit längerem Schulkonzepte, die radikal der Idee des offenen Unterrichts folgen und dies mittlerweile auch in die bauliche Struktur der Schule umgesetzt haben. Auch in Deutschland ist z.B. die Laborschule Bielefeld entsprechend gebaut und seit den 2000er Jahren haben auch einige andere Schulen eine Abkehr von der starren Klassenraumstruktur vollzogen und bei Neubau- oder Sanierungsprogrammen sich dem Prinzip der ‚offenen Lernlandschaft’ verschrieben.
Dabei sind die Möglichkeiten der Anordnung von Flächen, Räumen, Zonen, ‚Think Tanks’ usw. sehr groß. Grundgedanke bei diesem Konzept ist die Schaffung einer räumlichen Einheit für eine größere Gruppe von Schülerinnen und Schülern zumeist eines Jahrgangs, in dem lernfortschrittsbezogen ein Wechsel von Instruktionsphasen und selbständiger Arbeit stattfindet, wobei letztere weitgehend eigenverantwortlich geleistet wird:


1. Freie Arbeitsplatzwahl in der Lernlandschaft

Als Weiterentwicklung des Clusters wurde ein Raumensemble geschaffen, das mehrere Instruktionsräume, Gruppenräume, Lehrerstützpunkt und eine große gemeinsam genutzte Fläche verbindet. Die Instruktionsräume sind in der Regel kleiner (z.B. nur 50m2) als normale Klassenräume und ‚gehören‘ auch nicht mehr einer Klasse, sondern die Nutzung muss im Team der Lehrkräfte abgesprochen werden. Die Schülerinnen und Schüler können sich in der gesamten Lernlandschaft frei bewegen und sich Arbeitsplätze suchen, das Mobiliar ist flexibel und kann einfach bewegt werden. Das Lernmaterial ist in der Lernlandschaft verfügbar, in der Regel sollte dies bereits digital sein. Die Instruktionsräume sind entweder mit Dreiecktischen oder mit einer Collegebestuhlung bestückt, interaktive Tafeln sind nicht notwendig, meist reichen frei hängende Beamer für die Projektion von Material oder Ergebnissen von Tablets aus. Sichtbeziehungen sind unbedingt notwendig, auf Türen zwischen den Räumen kann weitgehend verzichtet werden, Ausnahme ist hier der Teamstützpunkt und ggf. ein Gruppenraum. Realisiert ist dieses Konzept z.B. seit über 10 Jahren für die Klassen 5-10 im August-Ernst-Gymnasium in Oettingen, Bayern. Pädagogisch wird eine hohe Fähigkeit zur Selbstorganisation vorausgesetzt bzw. diese in den unteren Jahrgängen stark trainiert. Aber auch für einen Bildungsgang wie das Berufsvorbereitungsjahr (für Schüler nach 10jährigem Schulbesuch ohne Abschluss) ist ein solches Konzept erfolgreich realisiert worden, anzusehen in der Berufsschule 24 in Hamburg Eidelstedt.


2. Personalisierte Arbeitsplätze in der Lernlandschaft

Weitergehend sind Lernlandschaftskonzepte, die auf Grund deutlich höherer Heterogenität der Schülerschaft und komplementär geringerer Fähigkeit zum selbstorganisierten Arbeiten und Lernen klare räumliche Vorgaben für die Arbeitsorte der Schülerinnen und Schüler machen. Ein deutlicher Unterschied ist die Zuweisung von individuellen Arbeitsplätzen im Marktplatz für jeden jungen Menschen, der mit Schreibplatte und Regal und zugleich Sichtschutz zum Gegenüber und im Prinzip auch zur Seite Ablenkungen reduziert. Die (stundenplantechnisch eingesetzten) Lehrkräfte haben eigene Schreibtische in der Lernlandschaft und stehen für Beratung und Unterstützung zur Verfügung, gehen aber auch herum, um sich ein Bild des Arbeitsstandes zu machen. Zusätzlich gibt es auch hier relativ kleine Instruktionsräume, in denen Aufgabeneinheiten aber auch soziale Fragen besprochen werden können. Eine Gruppenraum, ‚Lernkoje‘ genannt, rundet neben einem Teamstützpunkt das Raumangebot ab. Garderobe und persönliche Fächerschränke sind außerhalb der Lernlandschaft untergebracht. Realisiert ist dieses Konzept ebenfalls seit annähernd 10 Jahren im Lernhaus im Campus in Osterholz-Scharmbek, einer ehemaligen Haupt- und Realschule ((Bsp. eines Grundrisses für das Lernhaus im Campus in Osterholz findet man hier>Übersicht Lernhaus (pdf). Auch in Süddeutschland, in der Alemannenschule Wutöschingen (Gemeinschaftsschule) wurde dies vor einigen Jahren realisiert, in Ansätzen gibt es dieses Lernkonzept auch in verschiedenen anderen Gemeinschaftsschulen (= ehem. Haupt- oder Werkrealschulen) in Baden-Württemberg.


3. Eckpunkte für das Gelingen von Lernlandschaften

  • Starke Teamorientierung der mitarbeitenden Pädagogen,
    das eigene Rollenverständnis der Lehrkräfte sollte sich zum Mentor oder Lernbegleiter wandeln, sie sollten ihren persönlichen Arbeitsplatz in der Lernlandschaft haben,
  • eine verbindliche Dokumentation des Arbeitsstandes, nach Möglichkeit datengestützt,
  • die Implementierung eines dezidierten Regelkanons, der von Flüsterkultur über Zielvereinbarungen und Feedbackregeln gehen kann und mit klare Leistungsnormen (mit ggf. positiven Belohnungssanktionen in Form von Freiheitsgraden) verbunden ist,
  • räumliche Sichtbeziehungen mit einer hohen wechselseitigen sozialen Kontrolle,
  • unverzichtbar sind flexible IT-Medien wie Tablets oder Notebooks, die die Schüler sich jederzeit für ihre Arbeit heranholen können, hier sind Notebook-Wagen oder Tablet-Würfel/Koffer in der Lernlandschaft die geeignete Ausstattung, Accesspoints die notwendige IT-Infrastruktur. Einzelne feste PC-Stationen können ggf. das Szenario abrunden.
  • Denkbar, und z.T. schon umgesetzt (in den Niederlanden) ist auch die weitgehende Autonomie der so definierten ‚Teilschule’, so dass Jahrgang und Lehrerschaft eine autonome organisatorische Einheit bilden und z.B. Unterrichtsplan und Vertretung mit der zugewiesenen Personalressource selbständig regeln.


     (Die Grafik ist mit Erlaubnis der Montag Stiftungen den 'Leitlinien für leistungsfähige Schulbauten in Deutschland' entnommen):